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Der Bardino Husky Harry |
September 2005 - Die medizinische Ausgangslage
Die medizinischen Akten unseres kleinen Helden waren uns vom Tierschutz übergeben worden. Nach der Erstuntersuchung bei unserem Tierarzt stand nun zudem aus medizinischer Sicht fest - Harry hatte Schmerzen.
- Gewicht 29Kg (ca. 7Kg unter Idealgewicht);
Gesundheitsstatus:
- Akuter Hefepilzbefall in beiden Ohren;
- Nabelbruch;
- Oberflächliche Pyodermie;
- Fell stark ausgedünnt, mit signifikanten kahlen Flächen, Haut teilweise schon nach Nekrose ledrig vernarbt;
- Bleibendes umlaufendes Kettenmal am Hals;
- Fangzähne (C1) rechts - u- linksseitig im Unterkiefer wurden vorderseitig barbarisch mit einer Feile bis auf Wurzel abgefeilt (Auf den Kanaren wohl eine übliche Prozedur an Hütehunden);
- Alle Schneidezähne (I1.. I3) rechts- u. linksseitig im Unterkiefer verfault bzw. zerstört;
- Leishmaniose- Titer grenzwertig (Konnte nach erneuter Laborbefundung widerlegt werden, allerdings trat an seiner Stelle nun der Verdacht auf Borreliose).

September 2005 - Skeptische Blicke
Der miserable Zahnstatus, die akute Ohrenentzündung, der schlechte Zustand von Fell und Haut in Verbindung mit teilweise grenzwertigen Parametern im Blutbild und nicht zuletzt das Verhalten unseres Hundes, veranlassten den Tierarzt, uns auf die Möglichkeit von eventuell dauerhaft notwendigen Langzeittherapien- oder auch Medikamentierungen vorzubereiten.
Vertrauen - der ”wahre Harry” kehrt
zurück
Die OP verlief bestens, und Harry wurde langsam schmerzfrei. Nach
mehreren folgenden Laboruntersuchungen konnte letztendlich eine Ansteckung
mit Mittelmeer- und heimischen Infektionskrankheiten doch noch
ausgeschlossen werden. Die Therapien hinsichtlich der Ohreninfektionen und
der Haut- u. Fellprobleme dauerten noch viele Wochen. Auch wenn wir
aufgrund des zu diesem Zeitpunkt fehlenden Vertrauensverhältnisses in
Verbindung mit seinen traumatischen Erfahrungen durch erlittene Misshandlungen manch
unorthodoxe Umsetzungsformen dieser Therapien einfallen lassen mussten, ging
es aus medizinischer Sicht stetig aufwärts.
Das Futter wurde auf BARF (Biologisch Artgerechtes Rohes Futter)
umgestellt, was ebenfalls einen signifikanten positiven Einfluss auf seine
Regeneration mit sich brachte. Und Harry begann endlich Gewicht zuzulegen.
Alarmiert durch eine sich linksseitig der Kruppe schnell entwickelnde
faustgroße ”Delle”, folgten weitere ärztliche Untersuchungen.
Hierbei stellte sich heraus, das man Harry an dieser Stelle vor langer
Zeit wohl mit einem schweren Stock oder einer Stange ordentlich einen
”übergezogen” haben musste, so dass Gewebe und Muskulatur geschädigt
worden waren. Allerdings war nachzuweisen, dass die Motorik dadurch heute
nicht mehr beeinflusst wird, und er keinerlei Schmerzen hat. Durch den
Aufbau der Muskulatur war diese alte Schädigung nun wieder sichtbar
geworden.

Dezember 2005 - Der erste Schnee
Noch mit Halti und Schleppe
Vom ersten Tag an haben wir daran gearbeitet, über Gesten und
Sprache mit ihm zu kommunizieren, und somit einen Zugang zu Harry aufzubauen. Trotz unserer bis dato
recht ordentlichen Erfahrung in der Erziehung und dem Umgang mit Hunden, mussten wir uns eingestehen, dass unser
ca. 6 jähriger Bardino- Rüde aufgrund seiner Vorgeschichte eine ganz
besondere Herausforderung darstellte, und wir entsprechend unseren
Horizont hinsichtlich unserer Kenntnisse der Hundekunde ordentlich
auffrischen bzw. auch erweitern mussten
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Nach den ersten Wochen waren wir nun in der Lage, das Profil unseres neuen Familienmitgliedes annähernd korrekt zu definieren - Harry war (und ist) ein recht natürlicher Hund, in dessen Verhalten sich vieles von dem seiner wilden Artverwandten wiederspiegelt. Gegenüber Artgenossen hat er ein artgerechtes und rassetypisches sehr gutes Sozialverhalten, gegenüber anderen Tieren folgt er seinen Genen. Aufgrund seiner Vorgeschichte hat (hatte) er mit fremden Menschen offensichtliche Probleme, wobei bald klar geworden war, dass es sich hierbei nicht um blanke Aggressivität (Möglicherweise eine Reaktion auf erlittene Misshandlung), sondern eher um ein, auf Unsicherheit basierendem, ”Nach vorne Gehen” handelte. Außerdem ließen sich diverse Beute- und Jagdverhalten erkennen. Über die Abgrenzung von echtem Jagdtrieb und Reaktion auf Bewegungsreize, wie sie für Hütehunde typisch ist, lies sich zu diesem Zeitpunkt nur spekulieren. Er ist sehr lernbegierig, beobachtet aufmerksam und besitzt eine fast unheimlich schnelle Auffassungsgabe.

Respekt vor Vertretern der Gattung Felis
Uns ”Terror Lars” († 30.07.2008) blockiert Harry
beharrlich den Treppenabstieg
Mit lautem
Befehlston (”Mitbellen”) war und ist bei einem Hund von Harrys Kaliber
absolut nichts zu erreichen. Konditionierende Hilfsmittel wie
Schellenband, Impulshalsbänder oder gar physische Bestrafungen waren seit
je her indiskutabel. Über die Beobachtung seiner alltäglichen
Verhaltensmuster haben wir mit der Zeit gelernt, seine Gesten und
Körpersprache immer richtiger zu deuten und, nach dem Prinzip der positiven
Bestärkung, seine Erziehung entsprechend zu gestalten. Reichlicher
Literaturverzehr, wertvolle Tipps von Menschen, die ihrerseits schon eigene Erfahrungen mit
”gebrauchten südländischen Hunden” gemacht hatten (an dieser Stelle gleich mal knuffige Grüsse nach Ursenbach an
Imke und Tom, sowie einen ordentlichen Knuddel für Toni und Ivi
), sowie verschiedene Trainer standen uns hier hilfreich zur Seite.
Nach einiger Zeit waren erste Veränderungen festzustellen. Die anfängliche Leinenführigkeit ging leider mit seiner zunehmenden Selbstsicherheit sehr bald für's Erste wieder verloren. Nach ca. 6 Wochen begann er sein neues Heim als solches langsam anzunehmen und einen Bezug zur Lokalität aufzubauen.

März 2006 - Lebensfreude pur
Harry ist endlich ”angekommen”
Ungefähr
weitere 2 Monate später begann die echte Bindung zu seinem neuen Rudel, und
auch die Rangfolge wurde über weitere Wochen sanft, aber bestimmt,
festgelegt. Nach ca. 5 Monaten hatte er sich vollständig grundintegriert
und auch die Katzen wurden inzwischen von ihm als echte Rudelmitglieder
anerkannt, denen man auch, als deutlich an Größe überlegener Canide,
durchaus Respekt zollen sollte
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Bis zu heutigen Tag hat sich die Bindung weiter vertieft und er hat sich im Alltag zu einem treuen Begleiter entwickelt, der sich inzwischen auch außer Haus im Umfeld der menschlichen Gesellschaft immer sichererer zu bewegen weiß. Die gegenseitige Kommunikation basiert auf einem gewachsenen tiefen Vertrauensverhältnis. Weiterhin ist es uns wohl recht gut gelungen, seinen artspezifischen Anforderungen an das soziale Gefüge im Familienverband entsprechend Rechnung zu tragen, so dass er mit seinem Aufgaben- und Anforderungsspektrum am unteren Ende unserer Rudelhierarchie durchaus zufrieden ist.

Harry heute (2007) - Ein gesundes, charakterstarkes und fideles Familienmitglied
Die Rechnung wurde aufgemacht und beglichen - unser Familienverband ist um ein
wertvolles Mitglied bereichert worden. Die Skeptiker und Zweifler sind allesamt
verstummt. Und mancher von ihnen ist heute sogar begeistert, wenn er
draußen beim Treffen auf unseren Jagd- u. Reviergängen von unserem freundlichen
und stets fidelem Harrybo stürmisch begrüßt wird, und unserem Wegelagerer ein
(oder auch zwei) Leckerli als
Wegezoll zustecken darf ![]()
Gott sei Dank haben sein sturer Bardino /Husky- Dickkopf, den er auch heute noch gelegentlich gerne mal versucht durchzusetzen (denn steter Tropfen höhlt schließlich irgendwann den Stein), sein starker Charakter und nicht zu vergessen, die aufopferungsvolle Arbeit der Tierschützer auf der Finca Esquinzo und der Tierhilfe Fuerteventura e. V., verhindert, dass es feigen menschlichen Wesen ohne Ehre beinahe gelungen wäre, diese wunderbare Seele zu brechen und sein angeborenes gutes Sozialverhalten zu zerstören.
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