Der gebrauchte Hund

Zum Gedenken an Harry und Jason

Ein Besonderer Hund

Seine Vergangenheit unterscheidet ihn von vielen Tierschutzhunden

Hallo Hundefreunde, Euch wird beim Besuch unserer Seiten aufgefallen sein, dass ich gerne mit dem Begriff Besonderer Hund um mich werfe, besser ausgedrückt, unsere Familienhunde vom Tierschutz generell als Besondere Hunde bezeichne. Doch was hat es mit diesem Begriff auf sich? Eines gleich vorweg – es steht ausser Frage, dass ein jeder Hund für seine Familie, seine Menschen, kurz seine Halter etwas ganz Besonderes darstellt. Und genau so soll es auch sein! Doch das meine ich gar nicht.

Grundsätzlich ist für mich ein Hund ein Besonderer Hund, wenn dieser die negativen Auswirkungen seiner Vergangenheit mit in sein neues Umfeld bringt, sprich, in seinem neuen Umfeld in negativem Sinne verhaltensauffällig wird. Nun, das Spektrum an Ursachen seines Verhaltens kann breit gestreut sein. Sei es, dass er zuvor beispielsweise einen vollkommen falschen Umgang erfahren hatte, misshandelt worden war oder sich auch im Überlebenskampf auf der Straße gegen Artgenossen, nicht zuletzt vielleicht auch Menschen behaupten musste. Die Trigger, welche ein solches Verhalten auslösen können mannigfaltig sein. Dass ein solcher Hund zu seinem eigenen Wohl, insbesondere auch zum Wohl von Mensch und Tier nicht in jedermanns Hände übergeben werden kann, liegt auf der Hand. Denn diese Hunde werden früher oder später die Charakter deren neue Halter gehörig auf die Probe stellen. Zugegeben, hört sich erst einmal nach jemand an, welcher am Frühstückstisch seinen Toast mit der Schlagschere portioniert. Nun, schmökert Euch durch unsere Seiten, danach habt Ihr einen Eindruck davon, wofür dieser Begriff Besonderer Hund tatsächlich steht.

Besonderer Hund Harry unterwegs
Geschunden, misshandelt, vernachlässigt - Gesteigerte Aggressivität zum Selbstschutz


Diese Kriterien machen den Besonderen Hund aus

Unterm Strich gibt es für mich 2 Kriterien, welche einen Besonderen Hund ausmachen. Unser vormaliger Tierschutz-Notfall Harry stellte diesbezüglich ein Paradebeispiel dar. Na ja, mit ihm hatte ja auch alles angefangen. Harry war uns am 25.09.2005 auf einer Pflegestelle in Weilmünster anvertraut worden. Die wahre Dimension der Verantwortung, welche mit dieser Übernahme einhergehen sollte, nun ja, die sollte sich uns schon sehr bald offenbaren. Es war uns gelungen, ungeachtet aller Ressentiments von außen, der ganzen negativen Prognosen seitens diverser Tierärzte und Hundetrainern, Harry von der Bürde seiner Vergangenheit zu befreien und ihm Lebensfreude und Lebensqualität zurückzugeben. Vor allem aber hatte er seinen Menschen gefunden, an welchen er sich binden konnte. In den neun Jahren in unserer Mitte hat er uns nun seine Geschichte „erzählt“. Und bevor nun Helden der Generation Smartphone die Finger heben und aufgeregt schnipsen, da die KI beim Googeln „geantwortet“ hat, dass Hunde nicht sprechen können, eines gleich vorweg – ich weiß, dass Hunde im Rahmen einer Kommunikation des Hervorbringens von natürlicher menschlicher Sprache in größeren Einheiten nicht mächtig sind. Ebenso wenig meine ich mit dem Verb „erzählt“ bestenfalls bedingt Harrys kommunikative Verhaltensweisen. Zurück zu Harry. Zum einen waren die körperlichen Folgen aus Vernachlässigung und massiven Misshandlungen offensichtlich gewesen. In Verbindung mit seinen verschiedenen situationsabhängigen aggressiven Verhaltensmustern ließen sich dank zahlreicher Wiederholungen Systematiken ableiten.

Besonderer Hund Harry in Ursenbach
Besonderer Hund Harry - ein Fussgänger hat sein Interesse geweckt

Hört sich ziemlich „strange“ an, daher hier einige Beispiele. Gerade zu Beginn war unser Tierschutz-Notfall Harry, neben einem speziellen Typus entgegenkommender älterer weißhaariger Menschen, vor allem auch bei entgegenkommenden Passanten, welche zusammengeklappte Schirme oder auch Stöcke jeglicher Art bei sich führten, direkt nach vorne gegangen. Ein mögliches Indiz als Auslöser für dieses Verhalten ließ sich aus der sich linksseitig der Kruppe schnell entwickelnde faustgroße „Delle“ ableiten. Laut Tiermediziner war diese Läsion die Folge eines Schlages mit Stock oder Stange gewesen. Brutal und hart genug ausgeführt, um Muskeln und Gewebe dauerhaft zu schädigen. Ich will mir erst gar nicht vorstellen, was dieser tapfere Kerl noch so alles hatte einstecken müssen. Was den speziellen Typus älterer weißhaariger Menschen anging, so hatte er wohl auf einem Hof bei entsprechend älteren Bauern oder Hirten gelebt und war auch dort massiv misshandelt worden. Stichworte Therapie gegen Parasitenbefall oder seine abgefeilten Eckzähne im Unterkiefer. Und warum ging Harry wohl bei einem gestellten Fahrradfahren nicht auf die Person, sondern auf das Vorderrad los? Wie ich gehört habe, gibt es tatsächlich Regionen, wo es als „männlich“ gilt, Kettenhunde, deren Bewegungsfreiheit aufgrund der Kette eingeschränkt ist, mit dem Fahrrad anzufahren. Scheint etwas für ganz harte Knaben zu sein. Gerade einmal 3 Beispiele aus einem großen Konglomerat an Problemen, welche wir mit Harry zu bewältigen hatten.

Harrys erster Winter
Sein erster badischer Winter - Harry entdeckt den Schnee

Das Besondere, was Harry ausmachte, war die Tatsache, dass er sich trotz aller negativen Erfahrungen auf Fuerteventura auf uns, seine neuen Menschen eingelassen hatte. Weder Trainer noch Tierärzte hatten es angesichts seines Verhaltens nicht ansatzweise für möglich gehalten, dass man ihn tatsächlich von der Bürde seiner Vergangenheit befreien könnte. Nun ja, wir haben den Gegenbeweis erbracht. Mehr dazu auf Harrys Seiten über seine Geschichte und seine Entwicklung.

Pfote eines Hundes

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