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Der gebrauchte Hund

Zum Gedenken an Harry und Jason

Aggression und Jagdtrieb

Die natürliche Aggression des Hundes

Friedrich der Große
Friedrich II (1712-1786)

Es gibt wohl kein anderes Verhalten unserer Haushunde, welches im Laufe der vergangenen Jahre, einerseits ganz bewusst, aber auch unbewusst in Ermangelung an Sach- und Fachkompetenz durch Sensationsjournalismus und Politik so oft falsch interpretiert und beschrieben wurde, wie es bei seiner natürlichen Aggression der Fall ist. So wurde beispielsweise die Gefährlichkeit von Hunden an deren Rassenzugehörigkeit festgemacht. Als Krönung geballten Halbwissens entstanden sogenannte Rasselisten. Hier erfasste Hunde gelten als gefährlich oder es wird zumindest eine Gefährlichkeit dieser Hunde vermutet. Und wenn man schon mal dabei ist, überschaubar klug zu handeln, so finden sich diese Listen auch gleich einmal in Anlagen zu Gesetzen und Verordnungen wieder, wie beispielsweise „HuV BW“. Hört sich erst einmal verwaltungsmäßig sonderbar an. Doch dahinter verbirgt sich nichts Geringeres, als die „Polizeiverordnung des Innenministeriums und des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz über das Halten gefährlicher Hunde“. Dass diese Rassenlisten keinerlei wissenschaftlichen Prüfungen standhalten, ist längst ausreichend belegt. Doch ich schweife ab.

In der Tat besitzt jeder Haushund, so wie wir "Helden des aufrechten Gangs" übrigens auch, ein individuelles natürliches Aggressionspotenzial, welches man aber unbedingt vorher verstehen sollte, bevor man glaubt, es annähernd bewerten zu können. Diese Aggression ist Bestandteil einer jeglichen Kommunikation untereinander. In den folgenden Ausführungen versuche ich nun aufzuzeigen, dass es zu einem nicht unerheblichen Teil in der Verantwortung des Halters liegt, die natürliche Aggression seines Hundes in geordnete Bahnen zu lenken und zu kontrollieren. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich bei diesem Hund um einen Welpen, oder auch um einen erwachsenen gebrauchten Hund handelt - in jedem Fall ist diesbezüglich sein unmittelbares menschliches Umfeld gefragt und gefordert. Allerdings ist das so nicht ganz korrekt, denn bei einem Welpen haltet ihr selbst nahezu alle Fäden in der Hand, um sein künftiges Verhalten zu formen. Und sollte Euch das nächste Mal ein fremder Hund anbellen, nachdem Ihr möglicherweise gedankenlos frontal auf ihn zu geradelt seid, dann stempelt ihn nicht gleich als aggressiv ab, sondern hinterfragt Euer eigenes Verhalten. Vielleicht kommt Ihr dann auch zum Schluss, dass Ihr wahrscheinlich selbst dieses durchaus natürliche Verhalten des Hundes ausgelöst habt, und er daraufhin lediglich aggressiv kommuniziert hat. Es ist wohl eher unwahrscheinlich, dass er Euch fressen wollte.

Freund Hein
Jeder hat so seine individuellen Probleme

Steigen wir also in das Thema ein und beginnen mit der Frage aller Fragen:

Wat is en Hund?
Unverkennbar lässt die „Feuerzangenbowle“ grüßen. Und nein, damit meine ich nicht das höhere Säugetier auf vier Pfoten, mit Fell außen herum, zwei Enden, am einen Ende ein Schwanz, an der anderen Seite ein Kopf mit großen Ohren, Augen, Nase und kräftigem Kiefer.

Vielmehr stelle ich mir die Frage, was den ältesten Begleiter des Menschen tatsächlich ausmacht, welchem doch so viele „wundersame Wesensmerkmale“ von eben diesem Menschen angedichtet werden?

Über den tatsächlichen Beginn der Domestikation des Haushundes wird auch heute noch „gestritten“. Es steht jedoch fest, dass vor ca. 35000 Jahren mit den Menschen ein morphologisch wolfsähnlicher Hund (Knochenfunde) in Europa „einwanderte“. Allerdings ist ebenfalls unbestritten, dass unsere Urahnen dieser Zeit kaum dazu in der Lage waren, ein solch hoch entwickeltes Tier wie den Wolf zu domestizieren, denn auf den Punkt gebracht, war dieser zum damaligen Zeitpunkt den Primaten in Sachen Evolution deutlich voraus gewesen. Ja, da freut sich der Kreationist. Wie dem auch sei, so ist es gesichert, dass der Hund vom grauen Wolf abstammt und seine Domestizierung während der Eiszeit vor mindestens 15.000 Jahren stattgefunden haben muss. Ebenfalls wissenschaftlich gesichert ist die Tatsache, dass es, bedingt durch den langen Domestikationsprozess des Hundes durch den Menschen, keine andere Spezies gibt, welche eine so ausgebildete Interpretationsfähigkeit menschlicher Zeichen besitzt, wie es beim Haushund der Fall ist. Sucht man nun trotz erfolgter Domestikation ein natürliches Gefahrenpotenzial beim Hund, so muss in logischer Konsequenz die Mensch-Hund-Beziehung näher betrachtet werden. Bei dieser Betrachtung stütze ich mich u. a. auch auf die Betrachtungen und Ausführungen bezüglich der Gefährlichkeit von Hunden hinsichtlich der Kampfhundproblematik der Ethologin Frau Dr. Dorit Feddersen-Petersen, Christian-Albrechts-Universität, Kiel.

Die natürliche Aggression (Vererbung)

Vieles von Gevatter Isegrim spiegelt sich in unseren Hunden wider. Auf unseren Seiten zur Hundeerziehung habe ich bereits den frei lebenden Wolf dem domestizierten Haushund gegenübergestellt. Auch wenn sich Hund und Wolf, bedingt durch enge genetische gemeinsame Merkmale, doch ziemlich zu ähneln scheinen, so unterscheiden sie sich doch erheblich.

GEBRAUCHTER HUND Harry

Damit meine ich nicht unbedingt die Rasseangehörigkeit. Stelle ich einen Pudel einem Wolf gegenüber, fällt es den meisten Menschen heutzutage nicht schwer, selbst ohne Zuhilfenahme des Smartphones, zwischen Hund und Wolf zu differenzieren. Ganz anders wurde es da bei der Gegenüberstellung mit einem Tschechoslowakischen Wolfshund oder selbst Harry aussehen. Gerader Rücken oder auch die buschige Rute. Gut, da wären Harrys buschige Ohren. Doch egal, selbst in der Tiefe des Fangs würde selbst Terry als Terrier einem frei lebenden Wolf nicht sonderlich nachstehen. Doch darauf will ich eigentlich gar nicht hinaus. Viel mehr spiele ich hier auf ihr Verhalten an. Dementsprechend besitzt auch unser rezenter Haushund ein artspezifisches natürliches Aggressionspotenzial. Der Trigger dieser Aggression erfolgt über einen entsprechenden Auslösereiz aus der Umwelt. Somit ist aggressives Verhalten ein ursachenbedingtes Verhalten, und wird nicht über Generationen vererbt. Genetisch vererbt wird lediglich ein natürliches Reaktionsverhalten (nebst Triggerschwelle) auf diverse Umweltreize.

Verhaltensbiologisch betrachtet spielt hier vor allem die Prägungsphase des Hundes eine entscheidende Rolle. Diese sensible Phase der Jugendentwicklung findet während der 3. - 18. Woche statt. Hierbei erlernt der junge Hund die Spielregeln im Zusammenleben eines Familienverbandes, und dabei natürlich auch erstmals den Umgang mit seinen natürlichen aggressiven Instinkten (Droh-, Angriffs-, Verteidigungsstrategien), welche vor allem auch den essenziellen Konfliktlösungen im Gruppenverband Rudel dienen. Die Prägung findet ausschließlich in diesen ersten Lebenswochen des Hundes statt. Hierbei lernt der Hund, seine natürlichen Instinkte hinsichtlich Sozialverhalten, Reaktion auf Umweltreize sowie hierarchischer Rangordnung zu „sortieren“. Je mehr er in dieser Phase von seinem Rudel gefordert wird, desto mehr erlernt er in dieser kurzen Zeit (nebenbei entwickelt sich damit auch seine Lernkapazität-u. Fähigkeit). Die Folgen dieser Prägung bestimmen sein künftiges Leben und sind später nur schwer zu korrigieren. Als Hausnummer für die Bedeutung des künftigen Verhaltens des Hundes (incl. Reaktion auf Umweltreize) kann m an für den entsprechenden Quotienten Vererbung/Prägung (3..18 Woche) in etwa ein Verhältnis hinsichtlich einer Wertigkeit von 3/7 annehmen (Wobei ein höherer Wert für höhere Bedeutung steht).

Die grundlegende Prägung des Hundes erfolgt durch seine Sozialpartner:

Somit also nochmals zur Verinnerlichung

Kein Hund wird bösartig oder gar „gefährlich“ geboren!

Und wenn ich mich wiederhole, so ist es für mich doch ein persönliches Anliegen, basierend auf meinen Erfahrungen der vergangenen sechzig Jahren. So lässt sich das wohl diesbezüglich bekannteste Beispiel deutscher Sach- und Fachkompetenz aus Politik und Verwaltung, das landläufig als sogenannte KAMPFHUNDEVERORDNUNG bekannte Dogma, welches die Gefährlichkeit von Hunden u. a. an deren Rasse festmacht, schlichtweg ad absurdum führen. Es gibt bis dato keinen wissenschaftlichen Beleg dafür, dass bestimmte Hunderassen „von Haus aus“ aggressiver als andere Rassen sind! Ich verweise diesbezüglich auf unsere entsprechenden Ausführungen auf unserer Subdomain

Unsere Subdomain-Hund und Gesellschaft Hund und Gesellschaft
von Dichtung und Wahrheit

Doch so lange der „Staatssäckel“ dank solch sinnlosen Verordnungen durch verantwortungsbewusste Hundehalter weiterhin brav gefüllt wird (die eigentlichen zweibeinigen „Hund-zum-Beschädigungskampf-degenerieren-Macher“, sprich, die ganz „harten“ Typen, zwischen deren Ohren sich nichts anderes als ein großer Knochen befindet, trifft diese Verordnung nämlich nicht), und die breite Masse der Bevölkerung in scheinbarer Sicherheit vor tatsächlich gefährlichen Hunden gewogen wird, so lange wird diese Verordnungen wohl weiterhin bestehen.

Pfote eines Hundes

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