Harry - Bürde der Vergangenheit
Begriffserläuterung - Fortsetzung
Im Gegensatz zu Harry waren Terrys Probleme überschaubar gewesen. Das hieß aber keinesfalls, dass man Terrys aggressives Verhalten gegenüber Menschen, insbesondere Männern und Artgenossen nicht ernst nehmen musste. Es kam nicht von ungefähr, dass der Rückläufer definitiv aus der Vermittlung genommen worden wäre, hätte es mit ihm und uns nicht geklappt. Dann wäre sein Schicksal als Unvermittelbarer besiegelt gewesen. Aber auch Terry hatte sich auf uns eingelassen und wir hatten ihn nicht aufgegeben. Der beinahe Unvermittelbaren hatte sich zum anhänglichen Familienhund gemausert. Und selbst seine ehemaligen Pfleger, ja, selbst die Chefin vom Hundehaus staunten bei unserem Besuch im Tierheim 2 Jahre nach Übernahme nicht schlecht, über das Ausmaß von Terrys positiver Entwicklung. Was man bewirken kann, wenn eben Hunde wie Terry Menschen anvertraut werden, welche der Aufgabe gewachsen sind. Lernt Terry auf seinen Seiten doch noch etwas besser kennen.

Doch da gibt es ja noch ein weiteres Kriterium, welches einen „Besonderen Hund“ ausmachen kann. Ich bezeichne auch Hunde wie Jason als „Besonderen Hund“. Hunde, an deren Box die Menschen aufgrund deren Alters und gesundheitlichen Problemen einfach vorbeigehen. Mit Jason durften wir erleben, welch ein Segen es sein kann, sich eines solchen Hundes anzunehmen. Jason war in der Tat ein ganz „Besonderer Hund“ gewesen. Lernt auch ihn auf seinen Seiten kennen.

Beim Sommerfest im TH Ettlingen hatte Jason mit seiner Erscheinung und seinem Auftreten selbst seine ehemaligen Gassi-Gänger verblüfft. Zwei Jahre nach Übernahme konnte Terry im Rahmen einer Stippvisite am Tag der offenen Tür im TH Pforzheim, welcher es sowohl Gassi-Gängern, aber auch seinen Pflegern, mal sanft ausgedrückt, nicht leicht gemacht hatte, ihn wirklich zu mögen, mit seinem entspannten Auftreten ihnen allesamt ein Strahlen ins Gesicht zaubern. Und als er sich dann auch noch, nachdem ihm der Trubel um ihn dann doch langsam unheimlich geworden war, fest an mich gedrückt hatte, nun, in diesem Augenblick hatte er sie alle. Denn nach seinen Beißattacken gegen mich hatten wir die Tierschützer natürlich darüber informiert. Wir hatten ihn dennoch nicht aufgegeben und dass wir mit ihm danach den richtigen Weg eingeschlagen hatten, nun, dass war in jenem Augenblick nur allzu offensichtlich geworden.

Wie ich bereits erwähnt hatte, ist ein „Besonderer Hund“ nicht unbedingt etwas für jeden Hundehalter. Doch genau genommen haben auch Anja und ich erst mit Harrys Übernahme die Welt der „Besonderen Hunde“ betreten. Schon sehr bald mussten wir erkennen, dass unsere Hundeplatzerfahrung und die Erfahrungen mit unseren bisherigen Familienhunden, welche als Welpen in unsere Familien gekommen waren, nicht ansatzweise dem breiten Spektrum an Anforderungen gerecht werden würden, welches Harry an uns stellte. Ob am Tag seiner Übergabe auf der Pflegestelle oder an diesem schwarzen Freitag im Rahmen der Erstvorstellung bei unserem Tierarzt, es gibt Augenblicke im Leben, in welchen man eine Entscheidung fürs Leben trifft. Über die Tragweite und den Konsequenzen dieser Entscheidung waren wir uns durchaus bewusst gewesen. Entsprechend hatten wir uns im Laufe der folgenden Monate und Jahre die zwingend notwendigen Fähigkeiten und Fertigkeiten angeeignet, um der Aufgabe Harry von der Bürde seiner Vergangenheit zu befreien, gewachsen zu sein. Fortschritte erarbeiten, Rückschläge einstecken, wieder aufstehen, Mund abputzen, neu ausrichten und weitermachen, nicht zu vergessen, die Anfeindungen von außen als Zugabe obendrein, doch egal, Nachlassen war nie eine Option gewesen. Und ab einem gewissen Zeitpunkt war die Welt der „Besonderen Hunde“ schließlich zu unserer Welt geworden. Ihr seht also, dass man durchaus auch in die Welt der „Besonderen Hunde“ hineinwachsen kann. Ich empfehle Euch neben dem Besuch von Harrys Seiten auch einen Besuch unserer Seiten zur artgerechten Hundeerziehung und auch der natürlichen Aggression des Hundes.

Nachdem ich nun genug über den Begriff „Besonderer Hund“ herumphilosophiert habe, hier noch eine Kleinigkeit, welche ich Euch mit auf den Weg geben möchte. Natürlich stellen „Besondere Hunde“ unter den Schützlingen der Tierschützer in Tierheimen oder auf Pflegestellen keinesfalls die Regel dar. Die meisten ihrer Schützlinge hatten einfach nur Pech gehabt im Leben. Zudem findet man dort auch jene Individuen, für welche das Tierheim das erste richtige Zuhause darstellt, einen Ort, wo sie endlich versorgt werden und Ansprache erfahren. Unabhängig davon ob Rassehund oder auch Mischling, letztendlich wird jeder Mensch, welcher sich auf einen Hund einlassen möchte, beim Tierschutz auf geeignete Kandidaten treffen. Und wenn Ihr trotz aller Anstrengungen nicht fündig werdet, nun, so gebt den Tierschützern einfach Euer Profil (Hundeerfahrung, Wohnsituation, Tagesabläufe und Aktivitäten usw.) - sie finden garantiert den Richtigen unter ihren Schützlingen,
welcher zu Euch passt!