Der gebrauchte Hund

Zum Gedenken an Harry und Jason

Harry - Bürde der Vergangenheit

Harrybo - Die kontaktfreudige Frohnatur

Mit den Jahren hatte sich Harry zu Harrybo, einem fidelen und kontaktfreudigen Kobold entwickelt. Und so war es nicht verwunderlich, dass es rund um Etzenrot zunehmend Menschen gab, welche Leckerli bei sich führten. Darunter auch einige, welche selbst gar kein Hund hatten. Und sie taten das nicht ohne Grund, denn sie hatten irgendwann einmal den „Spanier“ kennengelernt.

Ich hab keine Zeit
Ich muss da aber jetzt unbedingt hin!

Sobald er nun bekannte Gesichter erkannt hatte, lief er zu Höchstform auf. Gehorsam fiel Hundemann nun zusehends schwerer und er leistete unglaubliche Überzeugungsarbeit, ja er „litt“ regelrecht. Gut, die meisten wussten genau, was es hieß, von Harry stürmisch und mit Hingabe begrüßt zu werden. Bei den Standfesten unter ihnen wurde sogar die Leine frei gegeben. Nach Lösen des Karabiners ging es dann zur Sache. Sobald sich dann die Staubwolke gelichtet hatte, stets das gleiche Bild - 40 Kilogramm Harrybo dopsten wie ein Flummi um diese Leute herum. Dabei wurde „erzählt“, für Kraulen und Morgeln mit wohligem Grunzen gedankt, ach ja, und selbstverständlich wurde stets mit unwiderstehlicher Mimik oder gerne auch mal körperlich abgecheckt, ob diese Leute etwas Essbares vor ihm verbargen. Er war halt schon irgendwie ein Bauer gewesen.

Doch Harry besaß auch eine vollkommen konträre Seite. So legte er beispielsweise beim Umgang mit Kleinkindern eine Sanftheit und Zärtlichkeit an den Tag, welche man ihm nie und nimmer zugetraut hätte. Ich erinnere mich da an eine Begegnung mit der kleinen Enkelin einer Hundebekannten. Als die Kleine Harry entdeckt hatte, wollte sie unbedingt hin zu dem „Wauwau“. Sie war übrigens gerade dabei, das Laufen zu lernen. Die Kleine kannte Hunde, da deren Familie selbst eine Retriever-Hündin hatten. Als sie schließlich vor Harry stand, dem sie übrigens im Stehen gerade Mal so an die Nasenspitze reichte, wurde sie von ihrer Mutter noch an beiden Händen gehalten. Als sie nun Harry mit einer Hand berühren wollte, kam sein Kopf in Zeitlupentempo nach vorne und er berührte die Handinnenfläche mit der Kraft einer Feder mit seiner Nase. Auch der darauf folgenden Schlapps mit der großen Bardino-Zunge wurde derart sanft und langsam vollzogen, dass uns allen angesichts dieser Demonstration von Feingefühl ein Strahlen ins Gesicht gezaubert wurde. Mutter und Tochter waren hellauf begeistert gewesen und Harrys Fangemeinde war um ein weiteres Mitglied, wenn auch noch recht klein gewachsen, bereichert worden.

Rasselbande
Harry mittendrin - Die Rasselbande an der Quelle

Wenn ein Hund, in dessen Genen sich DER Hütehund der Kanaren mit dem Nomaden der Taiga vereint hatte, welcher zudem vom Charakter des Kalibers Harrybo geleitet wurde, auf eine ordentliche Pfütze oder gar Suhle traf, dann geschah stets das Folgende: Die Pfütze wurde anvisiert, die Ohren klappten zurück und schon flogen einem Kies, Erde und sonstiger Bodenbelag um die Ohren. Nun folgte ein ordentlicher Platsch, woraufhin lautes Schlabbern Grunzen und ausgelassenes Planschen zu vernehmen war. Merke – ein Bardino-Husky trinkt einen solchen Mini-See nicht einfach nur aus, nein, er gräbt ihn dabei auch noch um. Nach getaner „Arbeit“ ging es fröhlich weiter, und irgendwann traf man nun auf interessierte Hundefans - möglichst noch in hellem oder gar feinem Zwirn. Nun kam das „Ach lassen Sie ihn doch....“, oder so ähnlich. Ob sie wohl registriert hatten, dass Junior gerade in weniger gestromtem-, sondern mehr als üblich braun gefärbtem Fell herumlief?

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Kapitel: Bardino-Husky Harry


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