Harry - Bürde der Vergangenheit
Unser Ass im Ärmel - Das Futtergen
Wir, die wir einen Hütehund der Kanaren mit am Esstisch haben, wissen, dass es da etwas gibt, was den Bardino von anderen Hunderassen unterscheidet – das Futtergen. Und nein, damit meine ich keinesfalls einen Abschnitt auf seiner DNA. Vielmehr scheint es in der Tat so, als wäre in diesen Hunden eine Erbinformation verbaut, welche sie zwingt, sich alles in deren Nähe, was auch nur ansatzweise essbar aussieht, einzuverleiben. Irgendwie scheint ein Bardino den ganzen Tag über hungrig zu sein. Und Harry trug den Bardino nun einmal in sich.
Der Not gehorchend, hatten wir hinsichtlich Harrys Erziehung bei „Stand 0“ angesetzt, ihn von der Pike auf neu aufgebaut. Dass wir dabei eine sanfte Erziehung nach dem Prinzip der positiven Verstärkung gewählt hatten, habe ich bereits erwähnt. Die einzig richtige Entscheidung, wenn es sich beim neuen Familienmitglied um einen gestandenen geschundenen und misshandelten Kettenhund handelt. Das Belohnungsprinzip lag auf der Hand – Intonation des Lobs, die entsprechende Körpersprache und natürlich Leckerli. Ach ja, den „Belohnungs-Morgel“ nicht vergessen! Und Harry stand ungemein auf Körperkontakt.
Dieser charakterstarke Hund war regelrecht begierig darauf, zu lernen, sprich gefordert zu werden. Schaut einfach mal auf unseren Seiten zur Hundeerziehung rein. Man muss einen Hund eben stets als Ganzes sehen. Entsprechend gehen auch Erziehung und Vertrauen Hand in Hand.

Gerne erinnere ich mich an so manche Tage im Gelände, da wurden wir angesichts unserer Trainingseinheiten in Sachen artgerechter sanfter Erziehung seitens anwesender gestandener Hundeplatzprofis der alten Schule, sagen wir mal „milde“ belächelt. Ruhige Ansprache (Namensnennung, nach Bindung der Aufmerksamkeit folgte das eigentliche Kommando) und prompt „große Freude“ und „Morgeleinheit“ plus Leckerli ob der erfolgreichen Umsetzung seitens des Hundes. Der Spruch des Tages lautete in der Regel:
Diesbezüglich besonders hervorgetan hat sich hier ein besonderer Schlag Hundeführer, ich nenne sie gerne „Latzhosenträger“. Es sind Menschen, welche mir noch aus meinen eigenen Tagen auf Hundeplätzen insbesondere durch die Schutzhund-Ausbildungen wohl bekannt waren, wobei ich hier keinesfalls alle Hundeführer und Trainer über einen Kamm scheren möchte. Doch bei diesem speziellen Typus Mensch handelt es sich in der Regel um sehr laute Menschen mit chronisch heißerer Stimme. Es sind diese Menschen, deren Hunde im Zwinger oder an der Kette gehalten werden und deren Ausbildungskonzept nahezu ausschließlich aus Vereinsheim, harter u. blinder Dominanz gegenüber dem Hund, dem harten Leinenruck und dem gebrüllten Wort besteht. Übrigens präferieren diese Menschen in der Regel einen sehr verbreiteten Deutschen Hütehund.

Wie dem auch sei, bereits nach wenigen Monaten hatten uns diese Könner nicht mehr belächelt. Denn Grünfell und seine Menschen waren zu einem Team gereift. Einer Einheit, gebunden durch Zuneigung und Vertrauen. Und das war erst der Anfang gewesen! Nicht gerade selten war es nun an uns, die Folgen althergebrachter Hundeausbildung nach stumpfen „Ober-Unter-Prinzip“ „milde“ zu belächeln. Da sah so manch einfältiger selbst ernannte Alpha auf zwei Beinen gegenüber seinem Hund schon recht unbeholfen aus. Kann halt passieren, wenn man geballtes Halbwissen über die komplexen sozialen Interaktionen zwischen frei lebenden Wölfen auf den domestizierten Haushund 1:1 überträgt.