Der gebrauchte Hund

Zum Gedenken an Harry und Jason

Terry - Der Rückläufer

Terrys Dank an seine vormaligen Pfleger

Es versteht sich von selbst, dass wir von Anbeginn an mit den Tierschützern aus dem TH Pforzheim in Verbindung geblieben sind. E-Mails schreiben und Bilder schicken ist eine Sache, dem ehemaligen Schützling allerdings in persona gegenüber zu stehen, hingegen etwas ganz anderes. Und so hatten wir uns dazu entschlossen, im Rahmen des Tags der offenen Tür 2018 einmal mit Terry seiner alten „Wirkungsstätte“, sprich dem Hundehaus im TH einen kurzen Besuch abzustatten. Wir waren davon überzeugt, dass seine ehemaligen Pfleger ihn wiedererkennen würden, hatte er es Pflegern und Gassi-Gängern nicht leicht gemacht, ihn wirklich zu mögen. Bereits auf dem Parkplatz herrschte Hochbetrieb. Besucher, Gassi-Gänger, nicht zu vergessen, auch „Ehemalige“ mit deren Menschen, da herrschte in der Tat volles Leben in der Bude. Und Terry, nun, der blieb regelrecht die Ruhe selbst. Gut, hier und da hatte es einen ersten Ansatz gegeben, um mit bellenden Artgenossen in aggressive Kommunikation zu treten, doch für seine Verhältnisse war das „Nichts“ gewesen. Sich mit federndem Trab an der Seite seiner Menschen durch das dickste Getümmel zu bewegen, nun, dieser Terry schien nicht mehr das Geringste mit jenem Terry gemein zu haben, welchen wir ca, 2 Jahre zuvor übernommen hatten. Und keine Sorge, Terry war unverändert alles andere als ein Kind von Traurigkeit gewesen. Ist er übrigens heute mit seinen 12+ Lenzen unverändert nicht ;-)

Terry mit Verehrerin
Noch zwei Jahre zuvor kaum vorstellbar gewesen

Am Hundehaus angekommen, fiel uns eine junge Frau auf, welche uns irgendwie zu beobachten schien. „Ist das nicht der Terry?“ fragte sie uns. Ich konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen und meine Antwort kam prompt „Ja das ist er, in der Tat!“ Und schon waren wir nicht mehr alleine gewesen. Kurz darauf hatte sich dann auch schon eine weitere Pflegerin zu uns gesellt. „Schau mal, das ist der Terry! Ist er etwa noch gewachsen?“ Und schon wollten sie alles über Terry wissen. Schließlich wurden wir gefragt, ob er sich denn streicheln ließe. Alle hier hatten nicht vergessen, welches Kaliber Hund uns zwei Jahre zuvor anvertraut worden war. Und eben dieser Hund hatte in jeglicher Hinsicht zugelegt, war im positiven Sinne deutlich kräftiger und kompakter geworden. Ein Terrier-Jagdhund-Mischling in Bestform eben. Da ich nicht wusste, welche Erinnerungsfragmente sich in Terry hinsichtlich seiner Zeit im Tierheim festgesetzt hatten, bot ich der Tierschützerin an, Terry erst einmal zu bestechen. Allerdings musste er sich das Leckerli „verdienen“, sprich, erst etwas dafür tun. Natürlich hatte seine ehemalige Betreuerin verstanden und schon ließ sie Terry absitzen. Ohne Zeit zu verlieren, saß er auch schon da und hatte beiden Pflegerinnen ein Lächeln ins Gesicht gezaubert. Auch hatte sie nicht vergessen, wie gierig Terry sein konnte, sobald es um Essbares ging. Und nach dem Leckerli wurde Terry mit Streicheleinheiten verwöhnt, was er sichtlich genoss. Das Smartphone wurde gezückt und kurz darauf hatten sich weitere Tierschützer zu uns gesellt. Und Terry wurde nach Strich und Faden verwöhnt. Natürlich ließ es sich auch die Chefin des Hundehauses nicht nehmen, sich zu dem illustren Terry-Fanklub hinzuzugesellen. Und Terry sollte noch einen drauflegen. Irgendwie war ihm der Trubel um ihn herum dann doch unheimlich geworden. Und so kam er zu mir, setzte sich direkt neben mir ab, rutschte im Sitzen an mich heran und drückte sich an mich. Nie werde ich die Blicke der Tierschützerinnen ob Terrys Reaktion vergessen, das ein und andere „feuchte“ Auge mit inbegriffen. Jener Hund, welcher noch zwei Jahre zuvor insbesondere Männer angegriffen hatte, welcher auch den Mann an seiner Seite hatte bluten lassen, suchte nun Geborgenheit bei eben diesem Mann. In diesem Augenblick hatten sich den Tierschützern zwei Dinge offenbart. Zum einen hatten sie erlebt, welch ein stattlicher Kerl tatsächlich in ihrem vormaligen Schützling geschlummert hatte. Doch viel wichtiger war die Erkenntnis gewesen, wie sehr sich Terry unter der Obhut seiner Menschen entwickelt hatte. Die intensive Bindung an seine beiden Menschen war nicht zu übersehen. Terry der Rückläufer, welcher kurz davor stand, ein Unvermittelbarer zu werden. Es war ein ganz besonderer Tag gewesen. Abschließend wurden noch das ein- und andere Foto für die Whatsapp-Gruppe des Tierheims gemacht, und nach einer herzlichen Verabschiedung verließen wir dann das Tierheim. Es war in jeglicher Hinsicht ein gelungener Besuch gewesen.

Das Tierheim Pforzheim - hier durften wir Terry adoptieren :-)

Uns war es wichtig gewesen, dass sich die Tierschützer selbst ein Bild von Terrys Entwicklung machen konnten. Erzählen und schreiben kann man viel, doch seinem vormaligen Schützling Auge in Auge gegenüber zu stehen ist eben durch nichts zu ersetzen. Nach all den Kopfschmerzen, welche ihnen ihr Schützling namens Terry aufgrund seines auffälligen Verhaltens bereitet hatte, war es wichtig gewesen, dass sich seine Tierschützer einen Eindruck davon machen konnten, was aus ihm geworden war. Einen Eindruck davon, wie sehr er sich physisch und psychisch zum Positiven entwickelt hatte. Denn trotz aller Probleme hatten sie ihn nicht aufgegeben und ihr Vertrauen in ihn gesetzt. Nebenbei bemerkt, war die Pflegerin, welche uns als erstes auf Terry angesprochen hatte, jene gewesen, welche Terry noch am Tag vor unserer Übernahme beim Reinigen seiner Box attackiert und dabei auch noch gebissen hatte. Terry hatte im Verlauf unseres Besuchs allen unmissverständlich vor Augen geführt, dass das Vertrauen in ihn gerechtfertigt gewesen war. Dass es richtig gewesen war, ungeachtet aller durchaus bedenklichen Vorfälle, ihn dennoch nicht aufzugeben. Und sie hatten kurz vor knapp dann auch noch die richtigen Menschen für ihren „Besonderen Schützling“ gefunden. Man könnte beinahe sagen, dass sich Terry mit seinem Auftreten bei den Tierschützern für deren aufopferungsvolle Arbeit, welche die Tierschützer des Tierheims tagein, tagaus leisten, Dank gezollt hatte.

Pfote eines Hundes

Familienbande

Elf Jahre ist es mittlerweile her, dass uns Terry anvertraut wurde. Selbst wenn es sich abgedroschen anhören mag, so möchten wir keinen Tag an der Seite unserer „Rübennase“ missen, ungeachtet dessen, dass er es insbesondere mir anfangs durchaus schwer gemacht hatte, ihn wirklich zu mögen. Doch das ist Schnee aus unserem ersten gemeinsamen Jahr. Selbst wenn Anja unverändert Terrys Mensch ist, so ist mit den Jahren auch zwischen ihm und mir eine innige Bindung gewachsen. Terrys anfänglichen Verhaltensauffälligkeiten konnten wir bereits im Laufe des ersten Jahres durchaus nachhaltig erfolgreich entgegenwirken. Eines lag und liegt natürlich auf der Hand – Terry ist nicht der Hund, auf welchen wir, sei es im Restaurant oder auch im Gelände, aufgrund seiner ungemein „knuffigen“ Art und Weise am Miteinander teilzunehmen schon gerne mal angesprochen werden, weil wir, irgendwann ob des Erreichten die Füße hochgelegt haben. Ganz im Gegenteil, er hat sich so entwickelt, weil wir nie nachgelassen haben.

Badens coolste Socke auf dem Gottesacker
Badens coolste Socke auf dem Gottesackerplateau am Ifen

Ist das ein Panorama?

Badens coolste Socke auf dem Gottesacker
Stets an der Seite seiner Menschen

Terry ist Familienmitglied und nimmt dementsprechend, ebenso wie es bei Harry und Jason der Fall gewesen war, an nahezu allen unseren Unternehmungen aktiv teil. Die kleine Einschränkung „Nahezu“ kommt daher, weil eben Hunde auf unseren Arbeitsstellen eben nicht erlaubt sind. Da er von Anbeginn an stets an unserer Seite war, hatte er schon bald angefangen, von sich auf Menschen zuzugehen. Anfangs noch recht zögerlich, doch nicht zuletzt dank seiner damit verbundenen ausnahmslos positiven Erfahrungen hatte er diese Zögerlichkeit schon sehr bald abgelegt. Stichwort individuelles Vorteilsdenken. Sei es im Lokal oder Restaurant, auf Festen und Feiern oder auch nur bei Treffen, man begrüßt sich gegenseitig, was Terry natürlich mit einschließt. Und er genießt es, Teil der Gemeinschaft zu sein. Ansprache, positive Stimmungen und Emotionen werden von ihm aufgesogen wie von einem Schwamm. Das Gleiche gilt natürlich für Streichel- und Krauleinheiten. Und für Leckerli gibt es sogar Kapriolen gratis. Ja, unsere „Rübennase“ ist in der Tat ein durchaus gieriger und verfressener Vertreter seiner Art. Und Futtern ist nun einmal unverändert das Größte für ihn.

Pfote eines Hundes

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Kapitel: Terry - Der Rückläufer


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